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Zweig einer Zerreiche im Frühling; gekennzeichnet durch die glänzende Belaubung und vorhandene Nebenblätter.

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Ein Baum, der sich steigender Beliebtheit erfreut: die Zerreiche

Die Artbestimmung der Zerreiche ist aufgrund der sehr variablen Morphologie ihrer Blätter schwierig. Auf den folgenden Seiten finden sich neben einer Vielzahl allgemeiner Informationen zur Art auch Hilfsmittel und Ratschläge, um ihre Bestimmung zu ermöglichen.

Denis Horisberger* | In den letzten Jahrzehnten konzentrierte sich in der Schweiz die Erweiterung des Wissens über einheimische Eichen auf Arten, die nördlich des Alpenbogens und im Wallis vorkommen: die Stieleiche (Quercus robur L.), die Trau­beneiche (Q. petraea Liebl.) und die Flaum­eiche (Q. pubescens Willd.). Dabei wurde auch ein spezieller Bestimmungsschlüssel erstellt, der auf der Website des Vereins proQuercus verfügbar ist (vgl. «WALD und HOLZ 1/22»). Das Projekt zur Artbestimmung der Eiche wurde zuletzt im Süden des Alpenbogens fortgesetzt, vor allem im südlichen Tessin, wo zusätzlich zu den genannten
Eichenarten eine vierte einheimische Art, die Zerr­eiche (Q. cerris L.), vorkommt. Diese ist auch unter dem Begriff Türkische Eiche bekannt. Pflanzenkundlich gehört sie zu einer eher mediterranen botanischen Sektion der Eichen, woraus sich ihr Ruf ableitet, über ein grosses Entwicklungspotenzial nördlich des Alpenbogens zu verfügen. Mit dem vorrangigen Ziel, Fachleute mit der morphologischen Erkennung der Zerreichen vertraut zu machen, aber auch um Erkenntnisse über ihre ökologischen Affinitäten und ihren genetischen Status zu sammeln, wurde in den Jahren 2022 und 2023 ein Eichenherbarium für das südliche Tessin angelegt.

Im Projekt involviert sind proQuercus, die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), der Forstdienst der Region Malcantone (TI) und des Bezirks Mendrisio (TI), das kantonale naturhistorische Museum in Lugano (TI) und die botanische Abteilung des kantonalen naturwissenschaftlichen Museums in Lausanne.

Es wurden zwei Exemplare des Herbariums angelegt. Diese werden in den beiden naturhistorischen Museen aufbewahrt, welche für Erhaltung und Verwaltung verantwortlich sind. Ein umfassendes Themendossier «Die Zerreiche (Quercus cerris L.) im südlichen Tessin» mit einer illustrierten Beschreibung der 17 untersuchten Eichenpopulationen im Tessin ist auf der Website von proQuercus einsehbar.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Zerr­eiche erstreckt sich vom Südosten Europas bis nach Kleinasien. Sie ist auf dem Balkan und in Italien verbreitet. Auch in der Schweiz, im südlichen Tessin, am Rande ihres natürlichen Verbreitungsgebiets, wird ihr der Status einer einheimischen Baumart zugestanden. Sie wurde weltweit in Gebieten mit gemässigtem Klima angebaut.

Die Zerreiche stellt keine besonderen Ansprüche an die Bodenverhältnisse (siehe Grafik unten rechts), ist in der Jugend sehr vital (sofern das Wild dies erlaubt) und erweist sich als relativ widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und Temperaturextremen. Sie wird in der Regel kaum älter als 200 Jahre, etwa 30 Meter hoch und erreicht einen Durchmesser von 70 Zentimetern. Aufgrund einer ausgeprägten Neigung zum Spalten ist ihr Holz wenig begehrt, sodass sie vor allem als Energieholz genutzt wird.

Morphologische Bestimmungsmerkmale

Die auf den folgenden Seiten dargestellten morphologischen Merkmale wurden so gewählt, dass sie sich zu jeder Jahreszeit zur Artbestimmung eignen. Selbst Blätter, welche im Winter vom Boden aufgelesen werden, können identifiziert werden, solange sie nicht durch die Feuchtigkeit zersetzt wurden. Es wird sehr empfohlen, für die Bestimmung eine Taschenlupe mit fünf- bis zehnfacher Vergrösserung zu verwenden.

Im Gegensatz zum Bestimmungsschlüssel für die einheimischen Eichen nördlich des Alpenbogens und im Wallis lieferten die Beobachtung der Blattstiellänge und die Zählung der Buchtennerven keine relevanten Informationen zur Identifizierung der Zerreiche; dies aufgrund der grossen Merkmalvariation sowohl auf der Ebene des einzelnen Baumes als auch der Population. Paradoxerweise führt aber die sorgfältige Beobachtung der ausgewählten Merkmale in den allermeisten Fällen zu einer Artbestimmung, die kaum Raum für Zweifel lässt.

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