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Heinz Hartmann beobachtet Jessica Rüttimann bei einer Übung auf einem Forwarder-Simulator.Bilder: Käppeli Digital

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Vom Bildschirm fast direkt auf die Forstmaschine und in den Wald

Computer- und simulatorgestützte Ausbildung ist heute gang und gäbe. Künftig sollen auch in der Forstbranche Simulatoren eingesetzt werden. Das spart nicht nur Material-, Treibstoff- und Reparaturkosten, sondern verschafft Lernenden auch mehr Sicherheit und Routine.

Ralph Möll | Forstspezialschlepper, Forwarder oder Vollernter sind unverzichtbar, um bei der Holzernte im Wald schnell und effizient voranzukommen. Deren Bedienung setzt neben Erfahrung und Übung auch eine entsprechende Ausbildung voraus. Ebendiese Ausbildung zur Forstmaschinenführerin respektive zum Forstmaschinenführer wird aktuell überarbeitet. «Das ist der richtige Moment, um die simula­torgestützte Ausbildung zu forcieren, sodass sie in die überarbeitete Ausbildung Eingang findet», sagt Heinz Hartmann. Der ehemalige WaldSchweiz-Instruktor, Suva-Arbeitssicherheitsspezialist und Berufsbildungsleiter bei JardinSuisse arbeitet heute im Bildungszentrum Gärtner in Pfäffikon (ZH). Ausserdem begleitet er Projekte in der Garten- und der Forstbranche, zum Beispiel für Simlearn, einen Anbieter von Maschinensimulatoren.

«Vor zweieinhalb Jahren kaufte das Bildungszentrum sechs Simulatoren. Und es war wie Tag und Nacht.» Früher erlernten die jungen Gartenberufsleute in den überbetrieblichen Kursen die Bedienung von Baggern und Dumpern von Anfang an auf der Maschine. Aller Vorbereitung zum Trotz wurden Geräte und Infrastruktur dennoch regelmässig in Mitleidenschaft gezogen. Solche Schäden zu reparieren, geht ebenso ins Geld wie die Anmietung von Maschinen für diese Kurse. Auf den Simulatoren können die Lernenden in einem geschützten Rahmen die Handhabung üben. Dabei entfallen nicht nur Reparatur-, Miet- sowie Treibstoffkosten: Auf dem Simulator kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während dreier Kurstage auf zehn bis zwölf Stunden Übungszeit, vier- bis fünfmal so viel wie auf den Maschinen. «Und als sie nach dem Simulator erstmals eine echte Maschine bedienten, war der Unterschied signifikant.»

Um die Bedienung von Forstmaschinen zu erlernen, rechnet Heinz Hartmann mit etwas mehr Training – «durchschnittlich wohl um die zwanzig Stunden» – auf dem Simulator als bei Gartenfachleuten. Er ist aber überzeugt, dass die Forstbranche von der simulatorgestützten Ausbildung profitieren kann. Mit dem Staatswald Kanton Zürich hat er einen Betrieb gefunden, um in einem Pilotprojekt die Vorteile dieser Methode aufzuzeigen. Forstwartin Jessica Rüttimann erlernte und übte dabei im Rahmen eines Junior-Programms die Bedienung eines Forwarders zuerst in der sicheren, virtuellen Umgebung des Simulators, bevor sie erstmals eine reale Maschine führen durfte.

Das Training war modular aufgebaut, sodass Jessica Rüttimann ihre Fähigkeiten stetig verbessern konnte. Dazu gehörte auch, Situationen mehrmals durchzuspielen, um Unsicherheiten auszumerzen, Grenzen zu erkunden und Fehler risikolos korrigieren zu können. Gemeinsam analysierten die Forstwartin und Heinz Hartmann die Übungsauswertungen und Fortschritte und bauten darauf die nächsten Trainingsschritte auf. Als Jessica Rüttimann schliesslich bereit war, erstmals einen realen Forwarder zu bedienen, sei es augenfällig gewesen, dass sie sich vor allem auf das Steuern und Fahren des Fahrzeugs habe konzentrieren können, weil sie die Kranbedienung bereits auf dem Simulator trainiert habe, sagt
Heinz Hartmann.

«Hilfreich, um Steuerung kennenzulernen»

«Die Erfahrung auf dem Simulator war ein spannendes Erlebnis», sagt Jessica Rüttimann über ihre Ausbildung. Für jemanden, der noch nie auf einer solchen Maschine gesessen sei, sei das eine sehr gute Option, die sie unbedingt weiterempfehle. Zwar habe sie während ihrer Ausbildung beim Staatswald Wyland (ZH) schon einen Forstspezialschlepper bedient, aber noch keinen Forwarder. «Die Zeit auf dem Simulator war sehr hilfreich, um die Feinsteuerung im Arbeitsablauf detailliert kennenzulernen.» Ursprünglich seien 30 Übungsstunden auf dem Simulator geplant gewesen, aber «irgendwann merkte ich, dass ich auf dem Simulator nicht mehr weiterkomme und dass die Zeit reif war, auf die reale Maschine zu wechseln». Trotz der guten Vorbereitung auf dem Simulator war der Schritt auf den Forwarder für Jessica Rüttimann eine Herausforderung: «Man spürt das Gewicht der Maschine, man muss sich an neue Dimensionen gewöhnen, und man muss die bisweilen schwierige Topo­grafie berücksichtigen.»

Simulatoren für verschiedenste Anwendungen gibt es schon lange. Warum sie in der Forstbranche bislang noch nicht eingesetzt werden, kann sich Heinz Hartmann auch nicht so richtig erklären: «In Schweden, woher unsere Simulatoren stammen, arbeitet man schon seit Jahrzehnten mit solchen Geräten. Hier in der Schweiz wurde das Thema aber immer ein bisschen stiefmütterlich behandelt.» Es sei einfach nicht vorwärtsgemacht und stattdessen bestritten worden, dass ein Bedürfnis danach bestehe.

«Ein Signal an die Branche»

Nun sei die Zeit aber reif. Das zeige einerseits das Interesse der Besucherinnen und Besucher an der Forstmesse Luzern vom vergangenen Jahr, wo der Simulator öffentlich präsentiert wurde. «Andererseits ist auch die Bereitschaft des Zürcher Staatswalds, an diesem Pilotprojekt teilzunehmen, ein wichtiges Signal an die Branche», sagt Heinz Hartmann. Ausserdem habe man in der Gartenbau-Ausbildung viele wertvolle Erfahrungen machen können, die sich leicht auf die Ausbildung für Forstmaschinenführerinnen und -führer übertragen liessen.

Die Darstellung auf den Simulatorbildschirmen ist bewusst reduziert gehalten. Junge Menschen, die leistungsstarke Gaming-Computer, hochauflösende Grafiken und entsprechende Hard- und Software gewohnt sind, werden sich erst einmal mit der relativ einfachen Darstellung anfreunden müssen. «Unsere Simulatoren sind sehr basisch und didaktisch aufgebaut. Es geht darum, die Maschine und deren komplexe Funktionsweise kennenzulernen. Anwenderinnen und Anwender sollen ein Gefühl für das Fahrzeug entwickeln. Dazu braucht es keine detailgetreue Hintergrunddarstellung.» Umso genauer wird dafür die Maschine dargestellt. Zur Ausbildung gehört sogar ein virtueller Rundgang um das Gerät, bis hin zum Herausziehen des Ölmessstabs.

Erfahrene Maschinisten herausfordern

Heinz Hartmann geht davon aus, dass junge, gaming-affine Teilnehmerinnen und Teilnehmer dennoch problemlos mit dem Simulator zurechtkommen werden. «Ältere, langjährige Maschinisten für eine Ausbildung auf dem Simulator zu motivieren, ist hingegen eine ungleich grössere Herausforderung.» Sie bedienen ihre Forstmaschinen schon lange und haben die nötigen Handgriffe verinnerlicht. «Diese Gruppe kann man aber mit kompetitiven Übungen abholen, indem man zum Beispiel schaut, wer für eine Aufgabe am wenigsten Treibstoff verbraucht oder wer einen Auftrag innerhalb einer vorgeschriebenen Zeitspanne oder mit einer Beschränkung der zur Verfügung stehenden Kranlängen erledigt.» Von solchen Übungsanlagen profitieren auch Forstunternehmen und -betriebe, können sie doch so Kosten optimieren und Materialverschleiss reduzieren.

Es sei nun an der Zeit, dass die Schulung am Simula­tor in die überarbeitete Ausbildung zum Führen von Forstmaschinen integriert werde, sagt Heinz Hartmann. In den Gruppierungen, welche die Überarbeitung diskutieren, sei der Simulator, der in der Schweiz von Käppeli Digital vertrieben wird, bekannt und präsent. «Ich rechne daher damit, dass die Simulatoren ab Ende 2027 eingesetzt werden können.»

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