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Die Schildkrötenstruktur des Schutzwalds Galans im Kanton St. Gallen wird aus der Vogelperspektive ersichtlich.Bild: Roger Bolliger

Zeitschriften | Verband & PolitikLesezeit 2 min.

Mehr Sicherheit im Bergwald nach Veränderung seiner Struktur

Revierförster Bruno Meli hat aus dem Schutzwald Galans im Revier Sargans-Weisstannen (SG) einen «Schildkrötenwald» gemacht. Dazu wurden 3000 m3 Holz aus dem einstufigen, vermoosten und dunklen Bestand herausgeholt und so Platz für Naturverjüngung geschaffen.

Thomas Güntert | Der Schutzwald Galans sichert oberhalb der Ortschaft Weisstannen (SG) verschiedene Alpbewirtschaftungen und ganzjährig bewohnte Gebäude vor Naturgefahren. Ausserdem nehmen die Bäume grosse Niederschlagsmengen auf und tragen so dazu bei, Überschwemmungen der Seez zu verhindern. Der Wasserstand des Flusses, der am Chli Schiben (SG) entspringt und bei Walenstadt (SG) in den Walensee mündet, kann aufgrund zahlreicher zufliessender Bergbäche rasch ansteigen.

Aufgrund seiner abgelegenen Lage und schlechten Erschliessung ist der Wald seit Jahrzehnten kaum bewirtschaftet worden, wodurch sich ein 150- bis 200-jähriger, einstufiger, vermooster, dunkler Bestand entwickelt hat. Wegen der Überalterung und der fehlenden Strukturvielfalt drohte dem Schutzwald der Verlust der nötigen Stabilität. Revierförster Bruno Meli konnte die Waldeigentümerinnen – die Alpkorporationen Galans, Hahnenboden und Steiälpli – vor 13 Jahren davon überzeugen, einen Eingriff durchzuführen, um wieder einen strukturreichen, stabilen Wald zu erhalten.

Jeder Waldeigentümer erhielt pro Hektare Wald 800 Franken Entschädigung, wobei gesamthaft rund 24 000 Franken ausbezahlt wurden. Mit dem Holzertrag wurde ein Teil der Kosten der Forstarbeiten gedeckt, die im Revier Sargans-Weisstannen alle an externe Forst­unternehmen vergeben werden. Für die Holzbringung auf dem rund 30 Hektaren grossen Gebiet Galans richteten Bund und Kanton ausserdem Beiträge von rund 168 000 Franken aus. «Hätte das Geld nicht ausgereicht, hätten Bund und Kanton im Sinne einer Härtefallregelung das Defizit übernommen», erklärt Bruno Meli.

Der Revierförster zeichnete im Schutzwald Galans zahlreiche 30 bis 50 Meter lange und 25 bis 30 Meter breite Schneisen an, die völlig abgeholzt wurden, damit für das Pflanzenwachstum Licht in den Wald und Wärme auf den Boden gelangten. Mit einer Seilkrananlage wurden in dem steilen Gelände über zwei Haupt- und fünf Zubringerbahnen rund 3000 m³ Holz mühsam aus dem Wald geschafft. Nach der Abholzung forstete Bruno Meli jedoch keine jungen Bäume nach, sondern setzte vollständig auf die Naturverjüngung: «Jeder Baum, der vom Sämling heranwächst, kommt mit den heutigen Bedingungen zurecht. Ein 150-jähriger Baum gerät aufgrund des Klimawandels hingegen zunehmend unter Druck.»

Der Förster glaubt, dass sich natürlich aufkommende Jungbäume der Wasserverfügbarkeit anpassen und nicht mehr so hoch werden, damit sie sich selbst vollständig mit Nährstoffen versorgen können. Er hat ausserdem bemerkt, dass Vögel zahlreiche Sämlinge von Vogelbeeren verbreitet haben, die vor Projektbeginn im Galanser Wald noch nicht vorhanden waren. Die wirtschaftlich uninteressante Vogelbeere ist als Vorwuchsbaumart ökologisch sehr wertvoll, da sie indirekt zur Stabilisierung des Waldbodens beiträgt, weil sich ihr Laub gut zersetzt und Humus bildet. «Wo die Vogelbeere kommt, wachsen auch Buchen, Ahorn und Fichten.»

Sturm öffnete weitere Verjüngungsflächen

Kurz nach den Holzarbeiten warf ein Föhnsturm zusätzlich rund 600 m³ Holz um. «Kurz zuvor hatten wir die Seilkrananlage abgebaut, die uns nochmals sehr hilfreich gewesen wäre», sagt Bruno Meli, der etwa zwei Drittel des Sturmholzes mit dem Helikopter aus dem Wald fliegen liess. Da dieser Aufwand nicht kostendeckend war, wurde das restliche Drittel des Sturmholzes liegen gelassen. Die Rinde dieser Stämme wurde fischschuppenartig gestreifelt, damit das Holz schnell austrocknete und sich der Borkenkäfer darin nicht vermehren konnte.

Trotzdem fielen im Sommer 2015 in den Sturmflächen 150 m³ Käferholz an. «Wo der Sturm wütet, kommt auch der Borkenkäfer.» Obwohl das Schadholz aufgearbeitet und wieder ausgeflogen wurde, hat sich der Borkenkäfer weiterhin vermehrt. «Bruno, jetzt musst du damit aufhören, du kommst nicht mehr ans Ziel und musst jetzt auf die Natur setzen», sagte der Förster damals zu sich selbst. Ab 2016 verzichtete er denn auch vollständig auf die Käferbekämpfung und liess der Natur freien Lauf. Während der folgenden fünf Jahre nahmen die Befallszahlen zwar weiter zu, danach gingen sie aber markant zurück.

Bruno Meli macht verschiedene Gründe für diese Entwicklung aus. Zum einen habe der Borkenkäfer im Gebiet Galans natürliche Feinde wie den Ameisenbuntkäfer, den Dreizehenspecht und verschiedene Schlupf­wespen, für die der Förster Totholz als Lebensraum liegen liess. Er beobachtete ausserdem, dass einzelne Fichten selbst im Käfernest überleben konnten. Er geht daher davon aus, dass sich die Bäume selbst gegen den Borkenkäfer wehren können, indem sie Duftstoffe aussenden.

Ein weiterer Faktor für den natürlichen Borkenkäferrückgang ist ein entomopathogener Pilz, der Insekten wie den Borkenkäfer befällt und tötet. Auch die kurze Vegetationszeit in der Höhenlage von 1400 bis 1700 m ü. M. ist ungünstig für die Vermehrung des Borkenkäfers, für die es Temperaturen von rund 20 °C braucht. In den Höhenlagen kann er sich im Zeitraum von Juni bis September höchstens einmal vermehren, während er im Tal innerhalb eines Sommers bis zu vier Generationen hervorbringen kann.

Die Bestätigung für ein Erfolgsprojekt

In den letzten zehn Jahren sind im Gebiet Galans etwa zehn Prozent des Fichtenbestands dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen, während heute nur noch einzelne Bäume davon betroffen sind. Bruno Meli stellte fest, dass insbesondere Bergahorn, Buche und Vogelbeere sehr schnell wachsen und dass in den kommenden 30 Jahren keine markanten Eingriffe gemacht werden sollten, damit sich mehrschichtige Wälder entwickeln.

Aufgrund der innerhalb des Projekts erfolgten Eingriffe verfügt der Schutzwald Galans über eine Struktur, die aus der Vogelperspektive einem Schildkrötenpanzer gleicht, der Symbol für Schutz, Vielfalt und Anpassungsfähigkeit ist. Bruno Meli und Roger Bolliger, Projektförster der Waldregion 3, haben das Projekt für den Schutzwaldpreis 2026 eingereicht, das von der Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Forstvereine in der Kategorie «Erfolgsprojekt» preisgekrönt wurde. Für den Revierförster ist dieser Preis eine Bestätigung seiner jahrelangen Arbeit: «Von zehn Förstern hätten mir acht gesagt ‹Bruno, du musst das Käferholz abholzen, sonst hast du da oben bald keinen Wald mehr›.» Heute kann sich Bruno Meli zurücklehnen, weil er der Natur vertraut habe, die vieles selbst regle, wenn man sie einfach in Ruhe lasse.

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